
Präsident Thomas Reimann über die Kostenentwicklung in der Bauwirtschaft
Die Bauwirtschaft ist abhängig von funktionierenden Lieferketten, schon kleine Störungen können massive Auswirkungen auf Bauprojekte haben. Sand, Kies, Bitumen, Natursteine und andere Baustoffe gelangen häufig per Binnenschiff zu den Betonwerken und Baustellen. Die niedrigen Pegelstände in unseren Flüssen haben diese Anfälligkeit wieder offengelegt. Wenn Schiffe weniger laden können, verzögern sich Bauprojekte und die Transportkosten steigen.
Jede weitere Kostensteigerung ist für die Bauwirtschaft fatal, denn Bauen ist derzeit ohnehin viel zu teuer. In der Branche treffen globale Probleme, wie die Zinsentwicklung – durch die seit 2022 viele Projekte unwirtschaftlich geworden sind – auf hausgemachte Probleme wie überbordende Bürokratie, langsame Verwaltung und erhöhte technische Anforderungen. In den letzten Jahren hieß es: Entweder es wird der Goldstandard gebaut oder nichts.
In Hessen sind die Baukosten seit 2021 um rund 37 Prozent gestiegen. Einzeln betrachtet mag jede dieser Vorgaben sinnvoll erscheinen, es ist jedoch die Summe, die zu immer teureren Gebäuden führt. Nicht jede technische Neuerung erhöht die Sicherheit, aber sie erhöht Material-, Planungs- und Ausführungskosten. Aus diesem Grund müssen wir wieder vermehrt zwischen Komfortstandards und sicherheitsrelevanten Anforderungen unterscheiden.
Wie kann dieser Entwicklung politisch entgegengesteuert werden? In der Bauwirtschaft treffen bundespolitische, landespolitische und kommunale Anforderungen aufeinander. Es muss an all diesen Ebenen angesetzt werden, um Bauen einfacher und günstiger zu machen.
Die hessische Landesregierung hat mit den Baupaketen I und II bereits wichtige Maßnahmen in die Wege geleitet. Ob diese in mehr Wohnungen münden, bleibt abzuwarten, aber der Kurs stimmt.
Die Impulse aus der Bundespolitik bleiben bisher hinter den Erwartungen zurück, dabei liegen viele hilfreiche Lösungsvorschläge bereits auf dem Tisch: Erstens müssen Standards und Normen einer kritischen Prüfung unterzogen werden. Hier bietet der Gebäudetyp E entsprechende Möglichkeiten – sofern rechtliche Sicherheit für Bauherren, Planer und die Unternehmen hergestellt wird.
Zweitens brauchen wir schnellere und digitale Genehmigungsverfahren sowie eine Harmonisierung der Bauordnungen. Es ist nicht sinnvoll, dass jedes Bundesland über seine eigene Bauordnung verfügt.
Drittens muss der Einsatz von Recycling-Baustoffen einfacher werden. Dafür müssen gesetzliche Unsicherheiten abgebaut und sie in öffentlichen Ausschreibungen öfter gefordert werden.
Viertens sollte die Umwidmung von Gewerbeimmobilien in Wohnraum vereinfacht werden. Dadurch würden auch Materialien eingespart werden.
Hier finden Sie den Auszug aus der Fuldaer Zeitung:

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