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29.09.2026
Pressemitteilungen

Bauwirtschaft und Handwerkskammern vermissen weiter klaren Kurs der Bundesregierung

Nachdem von der Bundesregierung eine umfassende Wirtschaftswende versprochen wurde, blicken Bauwirtschaft und Handwerkskammern beim gemeinsamen Gespräch in Kassel ernüchtert nach Berlin. Aus Sicht der Bauwirtschaft sind zentrale Reformen bisher ausgeblieben.

Ganz großes Thema ist nach wie vor der Wohnungsbau, der bereits seit einigen Jahren massiv eingebrochen ist. Vizepräsident des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. (VbU), Kai Emmeluth, sagt dazu: „Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Hessen 8.025 Wohnungen genehmigt, was einem Anstieg von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht. Doch ob diese auch gebaut werden, ist im Moment fraglich. Die Preisentwicklung und neue Regularien sorgen dafür, dass sich das Bauen für viele nicht mehr lohnt. Die hessische Kommission ‚Innovation im Bau‘ versucht, dieser Tendenz etwas entgegenzusetzen. Mehr Spielräume und weniger starre Vorgaben helfen, beim Bauen wieder voranzukommen. Das Maßnahmenpaket II muss deshalb dringend in den Gesetzgebungsprozess. Neben den sozialen Aspekten der Wohnraumbeschaffung kann eine funktionierende Bauwirtschaft gerade in diesen wirtschaftlich schwachen Zeiten auch stabilisierend auf die Binnenkonjunktur wirken. Wer jetzt nicht gegensteuert, riskiert, dass dringend benötigter Wohnraum auf Jahre nicht entsteht.“

Einigkeit bestand darin, dass die Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes, die den hessischen Kommunen zufließen, zielgerichtet eingesetzt werden müssen: „Uns ist wichtig, dass Kreise, Städte und Gemeinden das Geld zum einen für Investitionen und zum anderen in regionaler Vergabe nutzen. So stärken wir regionale Wertschöpfungsketten, statt lediglich Lücken in kommunalen Haushaltslöcher zu schließen” so Frank Dittmar, Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Handwerkskammern (ARGE).

Zugleich fordern beide Seiten die Kommunen auf, die neuen Möglichkeiten des Hessischen Vergabe- und Tariftreuegesetzes (HVTG) konsequent zu nutzen: „Wir appellieren an die öffentlichen Auftraggeber, die deutlich angehobenen Wertgrenzen bei der Vergabe kommunaler Aufträge tatsächlich im Sinne des hessischen Mittelstands zu nutzen. Wir müssen verhindern, dass zwar die rechtlichen Möglichkeiten erweitert wurden, vor Ort aber aus Personalmangel, Unwissenheit oder Haftungsbedenken ungenutzt bleiben. Die Entscheider in den Vergabestellen bräuchten hier auch eine klare politische Rückendeckung,“ führt Frank Dittmar weiter aus.

Vizepräsident des VbU, Dr. Christoph Schetter, erhofft sich vom neuen HVTG endlich einen Schritt Richtung Entbürokratisierung: „Die Novellierung des HVTG hat das Ziel, öffentliche Aufträge schneller und unbürokratischer für beide Seiten abwickeln zu können. Wir erwarten, dass diese Chance von den öffentlichen Auftraggebern auch genutzt wird und wir endlich von aufwendigen Verwaltungsprozessen wegkommen. Die Prüfverfahren sollten auf ein Mindestmaß begrenzt werden, um nicht noch mehr Nachweispflichten zu schaffen. Wir erhoffen uns von der Regelung, dass die Übernahme öffentlicher Aufträge für hessische Betriebe wieder einfach und attraktiv wird und schwarze Schafe zuverlässig ausgeschlossen werden.“

Ohne einen Kurswechsel, insbesondere auf Bundesebene, droht derzeit nach gemeinsamer Einschätzung ein weiterer Abwärtstrend mit erheblichen Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland. „Es braucht keinen weiteren Aktionismus vor Landtagswahlen, sondern einen echten Neustart: Endlich weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen, Planungssicherheit und eine klare Perspektive für Investitionen und Fachkräfte. Stattdessen verstärkt die derzeitige Unsicherheit der Bundesregierung den bestehenden Stillstand“, betonen die Präsidien gemeinsam.

Das Bauhandwerk stehe bereit, wieder zum Zugpferd der konjunkturellen Entwicklung zu werden, und das so schnell wie möglich. Die Kapazität der Betriebe, die aktuellen Unsicherheiten und Preissteigerungen aufzufangen, sei allerdings sehr bald erschöpft.

Bildunterschrift: Das hessische Handwerk und der hessische Baugewerbeverband trafen sich zum Gespräch. Von links: Dr. Christoph Schetter, Andreas Brieske, Dr. Christoph Gelking, Rolph Limbacher, Dr. Christof Riess, Frank Dittmar, Kai Emmeluth, Jürgen Müller, Rainer von Borstel, Pierre Schlosser und Stefan Füll.

Bildquelle: VBU

Ihre Ansprechpartnerin:

Anna Dieckhöfer

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: 069 / 958 09-224
E-Mail: dieckhoefer@bgvht.de

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