
Die aktuelle Ausgabe des „Ifo-Schnelldienstes“ ist der Perspektive der Bauwirtschaft in 2023 und den folgenden Jahren gewidmet. Schwerpunktmäßig wird dabei von den Autoren verschiedener Forschungsinstitute die Perspektive des Wohnungsbaus analysiert.
Unisono werden in den Analysen steigende Finanzierungskosten und steigende Baukosten einerseits, bei parallel eingestampfter Neubauförderung und gleichzeitig erhöhten ordnungsrechtlicher Anforderungen andererseits als ein Mix zum „perfekten Sturm“ charakterisiert. Wegen einer im Grunde intakten Nachfrage, gerade im preiswerten Wohnungsbau, wird aber davon ausgegangen, dass es sich nicht um einen Absturz der Baukonjunktur handelt, sondern vielmehr eine konjunkturelle Delle.
Die Nachfrage im Wohnungsbau wird dabei insbesondere durch die Zuwanderung stabilisiert. Dies bestätigen auch die heute vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten zur Bevölkerungsentwicklung. Deutschland hatte zum Jahresende 2022 nach dieser ersten Schätzung mindestens 84,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner. Gegenüber dem Jahresende 2021 nahm die Bevölkerungszahl damit um 1,1 Millionen Personen zu. Die Ursache dieses starken Wachstums war eine Nettozuwanderung (positiver Saldo aus Zu- und Fortzügen) auf Rekordniveau. Nach der aktuellen Schätzung kamen 1,42 Millionen bis 1,45 Millionen Personen mehr nach Deutschland als ins Ausland fortgezogen sind. Damit war die Nettozuwanderung 2022 über viermal so hoch wie im Vorjahr (2021: 329 163) und so hoch wie noch nie seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1950. Neben der starken Zuwanderung der Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine hat auch die Zuwanderung von Menschen anderer Nationalitäten deutlich zugenommen.
Alle Autoren sehen die Politik beim Wohnungsbau in wachsendem Handlungsdruck. Auch wenn Subventionen im Grunde kritisch gesehen werden, wird vielfach eine ausreichende und langfristige Förderpolitik gefordert. Erhöhte energetische Anforderungen wirkten investitionsbremsend. Der zusätzliche Aufwand stehe nicht in einem angemessenen Niveau zur CO2-Vermeidung.
Die Entwicklung der Baufertigstellungen wird uneinheitlich bewertet. Überwiegend wird wegen der langen Planungs- und Baufertigstellungsfristen mit einem verzögerten Niederschlag des „perfekten Sturmes“ bei den Fertigstellungszahlen gerechnet. So geht das Ifo-Institut für 2022/2023 sogar von Fertigstellungszahlen um 310.000 WE aus, nachdem in 2021 ca. 293.400 WE fertiggestellt wurden. In den meisten Beiträgen werden explizit keine Daten genannt.
Sofern auch auf den Wirtschaftsbau und öffentlichen Bau eingegangen wird, dominieren auch hier die Bremsfaktoren. Höhere Preise für Energie und Bauleistungen bremsen auch hier die Investitionsbereitschaft.
Im Anhang sind vier Artikel aus dem Heft beigefügt:
- Ralph Henger, IW Köln: „Drei stabilisierende Faktoren für den Wohnungsbau 2023“
- Reiner Braun, empirica: „Der Absturz im Wohnungsbau kommt später, als die meisten denken“
- Martin Gornig und Laura Pagenhardt, DIW: „Abwärtstrend im Wohnungsbau: Kein Grund zur Panik, aber der Handlungsdruck auf die Politik wächst“
- Ludwig Dorffmeister, IfO: „Europäischer Bau durchläuft zweijährige Stagnationsphase“
Bewertung
Der ZDB geht in seiner Prognose, wie die Institute auch, von einer Delle der konjunkturellen Entwicklung in 2023 aus. Eine im Grunde intakte Nachfrage nach Bauleistungen wird durch die Auftürmung von Belastungsfaktoren eingebremst. Investitionen werden wegen steigender Finanzierungskosten, steigender Lebenshaltungs- und Baukosten nicht an den Start gebracht. Eine unzureichende Förderpolitik mit zu ambitionierten Energieanforderungen überbrückt die Schwierigkeiten nicht.
Wir erwarten, dass der Nachfragerückgang zu einem ansteigenden Wettbewerb um Aufträge führt. Dies stellt für die Bauunternehmen enorme betriebswirtschaftliche Herausforderungen dar, die sich letztlich auch zeitnah in niedrigeren Fertigstellungszahlen im Wohnungsbau niederschlagen werden.
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