
Forschende und Bauunternehmer tauschen sich aus
Die Bauwirtschaft steckt in einer strukturellen Krise. Darin sind sich Vertreterinnen und Vertreter von hessischen Hochschulen und Universitäten mit Bauschaffenden aus ganz Hessen einig. Ende September trafen sie sich auf Einladung des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. (VbU) zum jährlichen Austausch in Frankfurt.
„Die Bauwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Digitalisierung, Automatisierung, künstliche Intelligenz, serielles Bauen, Nachhaltigkeit, neue Materialien, Fachkräftemangel, Nachfolgefragen, explodierende Baukosten und eine marode Infrastruktur prägen die aktuelle Lage. Hinzu kommen angespannte gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen und politische Unsicherheiten,“ machte VbU-Vizepräsident Dr. Christoph Schetter, in seiner Begrüßung deutlich.
Vor diesem Hintergrund stellte sich die zentrale Frage des Tages: Wie kann sich der Baumittelstand zukunftssicher aufstellen? Der Zukunftsdialog BAU 2026 griff diese Frage in drei kompakten Themenblöcken auf.
Mit Robotern die Brücke in die Zukunft bauen
Den Auftakt machte Dr. Lena-Marie Pätzmann, CEO und Co-Founder der Sitegeist GmbH in München. Ihr Unternehmen ist aus der Robotikforschung der Technischen Universität München hervorgegangen und entwickelt autonome, KI-gestützte Roboter für anspruchsvolle Baustellenarbeiten. Dr. Pätzmann stellte in ihrem Vortrag dar, wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse und unternehmerische Erfahrung verbinden lassen. Sie verdeutlichte, dass Robotik und Automatisierung helfen können, dem Fachkräftemangel zu begegnen und den Sanierungsbedarf der Infrastruktur zu bewältigen.
Baukosten, Finanzierung, Mieten und Transaktionen
Den zweiten Themenblock gestaltete Roland Stöcklin, Sprecher der Region Mitte des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) und Managing Director sowie Head of Frankfurt bei Art-Invest Real Estate. In seiner Funktion begleitet er regelmäßig die Einschätzungen der „Immobilienweisen“ zu Baukosten, Finanzierung, Mieten und Transaktionen.
Stöcklin machte deutlich, dass die staatlich bedingten Kosten beim Wohnungsbau im internationalen Vergleich in Deutschland deutlich zu hoch seien: „Die Entwicklung des Baupakets I basiert auf Vorschlägen der Expertenkommission „Innovation im Bau“, die aus Praktikern, Theoretikern und der Politik besteht. Wir brauchen jetzt auch das Baupaket II für weitere konkrete Erleichterungen im Baualltag – durch Kostensenkungen, Verfahrensvereinfachungen und Beschleunigungen.“ Stöckling ging insbesondere auf die zeitweise Aussetzung der technischen Baubestimmungen ein. Diese sollen für 36 Monate ausgesetzt werden, um zu prüfen, welche Regelungen für Sicherheit und Qualität tatsächlich erforderlich sind und wo Vereinfachungen möglich sind.
Aktives Temperaturmanagement im Asphaltstraßenbau
Den Abschluss bildete das Projekt INNASOL, vorgestellt von Prof. Dr.-Ing. Jia Liu, Institut für Verkehrswegebau, Technische Universität Darmstadt, und Maximilian Schütz, geschäftsführender Gesellschafter der Wilhelm Schütz GmbH & Co. KG in Weilburg.
Prof. Liu forscht praxisorientiert zu robusten, nachhaltigen Fahrwegkonstruktionen für Schiene und Straße – von Gleisen und Weichen über den Oberbau bis hin zu Asphalttechnologien und klimaresilienten Materialien. Gemeinsam mit Herrn Schütz gab sie Einblicke in aktuelle Forschungsaktivitäten im Straßenbau und zeigte, wie Innovation im Mittelstand gelebt wird.
Dr. Christoph Schetter fasste zum Abschluss zusammen: „Der Zukunftsdialog BAU 2026 hat gezeigt: Die Bauwirtschaft steht vor großen Herausforderungen – aber sie hat auch die Kraft, diese gemeinsam zu meistern. Mit Innovation, Zusammenarbeit und einem klaren Blick nach vorn.“
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