Image
22.06.2017
Pressemitteilungen

Digitalisierung im Bauwesen: BIM darf Mittelstand nicht überfordern

Verbände warnen vor Aktionismus / Evaluierung und Ausbildung müssen im Vordergrund stehen

Die Digitalisierung im Bauwesen wird intensiv vorangetrieben. Viele sehen die Möglichkeit, alle Phasen eines Bauwerks von der Entwicklung über die Planung und Bauausführung bis hin zur Verwaltung und Nutzung in einem digitalen Modell abzubilden. BIM („Building Information Modeling“) soll so zu Kosten- und Terminsicherheit beitragen. Und es wird erwartet, dass BIM die Planungs- und Ausführungsqualität verbessert sowie Fehler reduziert. Erwiesen ist das alles jedoch nicht.

So stellte das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit bereits fest, dass die Methode allein weder eine gute Planungsqualität noch einen optimalen Projektverlauf garantiert. Entscheidend sei vielmehr die qualifizierte Anwendung durch die Projektbeteiligten.

„Wir wollen uns der Digitalisierung im Bauwesen nicht verschließen. Aber die elektronische Ausschreibung und Vergabe (E-Vergabe), die seit letztem Jahr verpflichtend ist, hat bereits bei vielen kleineren Unternehmen zu Umstellungsschwierigkeiten geführt.“ sagt Rainer von Borstel, Hauptgeschäftsführer des Verbandes baugewerblicher Unternehmer in Hessen. „Die Bauwirtschaft in Deutschland ist mittelständisch geprägt. Das muss bei allen Bemühungen um die Digitalisierung im Bauwesens bedacht werden.“

Deutlich kritischer formuliert es Dr. h.c. Thomas M. Reimann, Bauunternehmer aus Frankfurt: „Mit BIM kommen Anforderungen auf kleine und mittlere Unternehmen zu, die dort oft nicht zu stemmen sind. Know-how und geschultes Personal fehlen den kleinen und mittelständischen Baubetrieben dabei genauso wie den öffentlichen Auftraggebern. Digitale Bauprozesse dürfen nicht zur Verengung des Marktes auf internationale Baukonzerne führen. Das schadet dem Mittelstand und damit auch dem Wettbewerb in Deutschland.“  

Der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen und BDB Frankfurt Rhein Main sprechen sich daher gegen eine übereilte verbindliche Einführung von BIM für mittlere Bauvorhaben aus. Andreas Ostermann, 1. Vorsitzender des BDB Frankfurt Rhein Main, warnt vor überstürztem Aktionismus: „Wir brauchen erst langfristige Erfahrungen aus Modellprojekten, ob die Erwartungen sich auch mit wirtschaftlich vertretbaren Mitteln erreichen lassen. Deswegen sollte BIM aus unserer Sicht zunächst auf Großprojekte beschränkt bleiben.“

Allein der Wunsch nach Digitalisierung ist den Verbänden zu wenig, Wirtschaftlichkeit und eine langsame Umstellung sollten im Fokus stehen: „Mich erinnert die Diskussion um BIM an die Reform der Studienabschlüsse an den Hochschulen – den sog. Bologna-Prozess. In einer großen politisch gewollten Anstrengung sollte ein einheitlicher Europäischer Hochschulraum geschaffen werden, der Studiengänge harmonisieren und vereinfachen sollte. Im Ergebnis ist die Hochschullandschaft in Deutschland so unübersichtlich wie nie zuvor und das Wechseln von Hochschule zu Hochschule nun in Deutschland viel schwieriger als vorher.“ so Ostermann weiter: „BIM soll für alle letztendlich einen Nutzen bringen und darf das Bauen, insbesondere im Mittelstand, nicht komplizierter machen.“

Ihre Ansprechpartnerin:

Lena Brucato

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Telefon: 069 / 9 58 09-222
E-Mail: brucato@bgvht.de

Ähnliche Beiträge

17.07.2024
Ausbildung

Ausbau, Hochbau, Tiefbau – Modernisierung auf allen Ebenen Ausbildung in der Bauwirtschaft neugeordnet

In einem umfassenden Verfahren wurden 19 Bauwirtschaftsberufe modernisiert. Die neuen Ausbildungsordnungen wurden im Juni 2024 veröffentlicht. Da nun …
27.06.2024
Pressemitteilungen

Das hessische Baugewerbe begrüßt Vision der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, warnt jedoch vor zusätzlichen bürokratischen Hürden

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft darf nicht zulasten des Mittelstands gehen! Der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. (VbU) äußert sich …
25.06.2024
Allgemein

2. Erfahrungsaustausch Boden – Kostenfalle Ersatzbaustoffverordnung – Risiken bei der Angebotserstellung und der rechtssichere Einbau von Ersatzbaustoffen

Rund 80 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer nahmen am 2. Erfahrungsaustausch Boden im Nachgang zur Jahreshauptversammlung des Verbandes baugewerblicher …
27.06.2024
Pressemitteilungen

Das hessische Baugewerbe begrüßt Vision der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, warnt jedoch vor zusätzlichen bürokratischen Hürden

Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft darf nicht zulasten des Mittelstands gehen! Der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e.V. (VbU) äußert sich
14.06.2024
Pressemitteilungen

Lohn- und Gehaltstarifverhandlungen 2024: Das hessische Baugewerbe nimmt den Einigungsvorschlag an

Die Frist zur finalen bundesweiten Abstimmung über die Zustimmung oder Ablehnung des Einigungsvorschlags für die aktuelle Lohn- und
08.05.2024
Pressemitteilungen

Hessischer Baugewerbeverband empfiehlt Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5 Prozent ab Mai 2024

Frankfurt, 8. Mai 2024. Der Verband baugewerblicher Unternehmer Hessen e. V. empfiehlt seinen Mitgliedern eine pauschale Erhöhung der