
Das neue webbasierte Tool führt Bauhandwerksbetriebe durch den gesamten Berichtsprozess und übersetzt komplexe Anforderungen in klar verständliche Fragen. Mit Infobuttons, integrierten Rechenhilfen und KI-gestützten Textvorschlägen ermöglicht der Zukunfts-Kompass Handwerk die Erstellung des Nachhaltigkeitsberichts nach dem freiwilligen EU-Berichtsstandard (VS) und vereinfacht somit auch kleinen Betrieben den Einstieg.

Gesetzliche Hintergründe: VS-Standard und freiwilliger Nachhaltigkeitsbericht
Der Betriebsalltag vieler Handwerksbetriebe in der Baubranche ist bereits anspruchsvoll: Knappe Ressourcen, steigende Kosten und wachsende Dokumentationspflichten binden Zeit und Kapazitäten. Für kleine und mittlere Betriebe wirkt Nachhaltigkeitsberichterstattung daher oft wie eine weitere Hürde im Bürokratiedschungel.[1] Gleichzeitig steigt gerade im Baugewerbe der Druck, Nachhaltigkeit nachvollziehbar darzustellen – vom Materialverbrauch über den Energieeinsatz bis hin zur Baustellenlogistik und den Anforderungen von Auftraggebern.[2]
Ein Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert, wie ein Bauunternehmen – ob im Hoch-, Tief- oder Straßenbau – mit ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen umgeht. Der freiwillige EU-Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung für nicht börsennotierte kleine und mittlere Unternehmen (VS-Standard) ist die gesetzliche Grundlage für die freiwillige Berichterstellung. Dieser orientiert sich an den ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Betriebsführung) und ist weniger komplex als die regulären europäischen Standards (ESRS).
Wer kann freiwillig berichten und welche Vorteile hat das?
Derzeit sind Handwerksbetriebe in der Baubranche mit weniger als 1.000 Mitarbeitenden und einem Umsatz von bis zu 450 Millionen Euro dazu berechtigt, freiwillig nach dem VS-Standard zu berichten.[3] Für Betriebe aus dem Baugewerbe bietet ein Nachhaltigkeitsbericht konkreten strategischen Mehrwert: Er macht sichtbar, wie der Betrieb mit Ressourcen, Energie, Materialien und Baustellenprozessen umgeht, und unterstützt dabei, sich wirtschaftlich stabil und wettbewerbsfähig aufzustellen. Gerade im Baugewerbe kann eine nachvollziehbare Nachhaltigkeitsdarstellung gegenüber Auftraggebern, Kundschaft und Geschäftspartnern ein Vorteil sein – etwa bei Ausschreibungen, Projektvergaben oder Kooperationen. Außerdem schafft sie Transparenz gegenüber Banken und erleichtert den Umgang mit Anfragen von Förder- oder Aufsichtsbehörden.
Wie gelingt es Betrieben, einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht zu erstellen?
Seit Ende Februar 2026 haben kleine und mittlere Handwerksbetriebe mit dem Zukunfts-Kompass Handwerk ein wirkungsvolles Werkzeug an der Hand: Das kostenlose Online-Tool, das im Rahmen des Projekts „KMU-Modul Handwerk“ gemeinsam mit Expert*innen aus Handwerksorganisationen entwickelt wurde, ermöglicht eine strukturierte und zeitsparende Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten nach dem VS-Standard. Ziel ist, die freiwillige Nachhaltigkeitsberichterstattung im Handwerk deutlich zu erleichtern und Betriebe Schritt für Schritt durch den VS-Bericht zu führen. Dazu werden sowohl metrische als auch narrative Antworten in den Kategorien allgemeine Angaben, Umwelt, Soziales und Betriebsführung erfasst.
Das Projekt ist beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) im Rahmen des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) angesiedelt und wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ) sowie der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e. V. (ZWH) umgesetzt. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) unterstützt das Projekt als Kooperationspartner bei der Verbreitung.
Zentrale Funktionen zur Unterstützung der Berichterstellung
Mit Expert*innen aus Handwerksorganisationen wurde ein Fragenkatalog mit übersichtlichen Beispielen in der Sprache des Handwerks konzipiert und eine klare, verständliche Struktur mit integrierten Rechenhilfen erarbeitet.
Unterschiedliche Antwortformate wie Ja-/Nein-Fragen, Multiple Choice, Freitextfelder und Drop-down-Menüs machen die Art der geforderten Angaben sofort erkennbar. Über ein übersichtliches Dashboard können Betriebe aktuelle und rückwirkende Berichte anlegen, die Bearbeitung flexibel gestalten und ihren Fortschritt verfolgen.
Unterstützt wird der gesamte Prozess durch eingebaute Hilfsfunktionen: Ein Paragraf-Button verweist auf die rechtliche Grundlage, während der Info-Button Erläuterungen, Beispiele und Musterrechnungen liefert. Für individuelle Fragen steht eine Kommentarfunktion zur Verfügung, die bei Bedarf von Beratenden eingesehen werden kann. Ein KI-Button erstellt zusammenfassende, berichtskonforme Textvorschläge, die anschließend individuell anpassbar sind. Um Betrieben die Treibhausgasberechnung zu erleichtern, ist eine Schnittstelle zum E-Tool bereits integriert. Zusätzlich wird derzeit an weiteren Schnittstellen zu bestehenden Tools im Handwerk gearbeitet, um vorhandene Daten in den Zukunfts-Kompass Handwerk zu übertragen.
Sobald der Bericht vollständig ausgefüllt ist, kann er direkt an die DNK-Plattform übermittelt werden, dort eingesehen und heruntergeladen werden. Optional kann auch ein Plausibilitätscheck durchgeführt werden. Der Zukunfts-Kompass Handwerk ist Teil des umfassenden Unterstützungsangebots des Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) und ein speziell auf das Handwerk zugeschnittenes DNK-Modul. Alle freiwilligen Nachhaltigkeitsberichte, die Handwerksbetriebe im Rahmen des Zukunfts-Kompass Handwerk erstellen, werden über die DNK-Plattform generiert.
Rückmeldungen aus der Praxis
Ausgewählte Handwerksbetriebe konnten das Tool bereits 2025 im Rahmen einer Testphase erproben und Eingaben vornehmen. Die Auswertung der Testergebnisse hat gezeigt, dass das Tool den Einstieg in die komplexe Materie der Nachhaltigkeitsberichterstattung erleichtert und einen verständlichen Zugang zu den gesetzlichen Anforderungen bietet. Besonders gelobt wurden die benutzerfreundliche Oberfläche, die klare Struktur und die hilfreichen Infotexte.
„Infotexte sind meist so erklärend, dass man die Frage leicht beantworten kann“, fasste ein Nutzer zusammen.[4]
Der Zukunfts-Kompass Handwerk wird kontinuierlich weiterentwickelt. Beispielsweise werden bereits schrittweise kostenfreie Marketingmaterialien integriert, die Betriebe flexibel für ihre eigene Kommunikation einsetzen können.
Interessieren Sie sich für das Tool? Mehr Informationen finden Sie unter: https://zukunfts-kompass-handwerk.de/
Ellina Sapan | Referentin für Kommunikation, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk e. V. (ZWH)
[1] Die Information basiert auf einem allgemeinen Stimmungsbild aus einem Workshop zum Zukunfts-Kompass Handwerk im Rahmen der DNK-Roadshow Bayern 2025.
[2] Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (o. J.): Nachhaltiges Bauen. https://www.bmwsb.bund.de/DE/bauen/innovation-klimaschutz/nachhaltiges-bauen/nachhaltiges-bauen_node.html (Zugriff am 05.05.2026).
[3] Hierbei handelt es sich um die zuletzt erzielte Einigung im Rahmen des Omnibus-1-Pakets zur Überarbeitung der European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Stand: 16.12.2025.
[4] Anonym, Nutzerfeedback aus der Testphase des Zukunfts-Kompass Handwerk, 2025.
Copyright: ZWH e. V.
Ihre Ansprechpartnerin:
Innovation und Nachhaltigkeit
Telefon: 069 / 958 09-550
E-Mail: weisheim@bgvht.de
