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16.09.2025
Wirtschaft

Ambivalente Auftragslage im Hoch- und Tiefbau setzt sich fort – Halbjahresbilanz 2025  im Bauhauptgewerbe

Das Statistische Bundesamt hat die Daten zur Entwicklung der Baukonjunktur per Juni 2025 für die Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten vorgelegt.

Demnach haben die Order bis Juni 2025 insgesamt nominal um 9,3 % zugelegt, real, d.h. unter Herausrechnung der Preisentwicklung, um 6,8 %. Dabei legten die Order im Tiefbau nominal um 10,8 % und real um 8,2 % zu, im Hochbau um nominal 7,7 % und real um 5,2 %.

Der Umsatz erreichte im ersten Halbjahr ein Volumen von 50,8 Mrd. Euro, ein nominaler Zuwachs um 4,6 %, real von ca. 2,2 %. Der Umsatz im Hochbau lag dabei bei ca. 25,7 Mrd. Euro, nominal ein leichter Zuwachs um 2,2 %, real bedeutet dies Stagnation. Der Umsatz im Tiefbau betrug 25,1 Mrd. Euro, ein nominaler Zuwachs um 7,3 %, real ein Zuwachs um 4,7 %. Der Tiefbau trägt damit etwa hälftig zum Umsatz bei. Anfang der 2000er Jahre lag sein Anteil noch bei 40 %.

Nach der Preisrally für Bauleistungen von 2021 bis 2023, in einer Spanne von +5 % bis zu +19 %, getrieben von der Zins- und Energiekostenentwicklung im Einkauf, beruhigte sich die Preisentwicklung in 2024 bei +1,7 %. Im Verlauf des Jahres 2025 liegt die Preisentwicklung für Bauleistungen per Juni bei +2,4 %. Das resultiert letztlich aus der wieder anziehenden Nachfrage.

Bei einerseits anhaltend hoher Nachfrage nach Wohnraum, einem erwarteten Anspringen der Konjunktur sowie schlussendlich auch dem Nachfrageschub aus dem Sondervermögen ist bei andererseits derzeit begrenzt verfügbaren Kapazitäten mit einem weiteren Anziehen der Preisentwicklung für Bauleistungen zu rechnen.

Der Beschäftigungsimpuls aus der Nachfrage bleibt insgesamt verhalten. Nach den monatlichen Daten des Statistischen Bundesamtes für die Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten haben diese Betriebe zusätzliches Personal eingestellt. Nach durchschnittlich ca. 530.430 Beschäftigten im ersten Halbjahr 2024 sind es im Vergleichszeitraum 2025 ca. 535.300 Beschäftigte (ca. +1 %).

Die Nachfrageschwäche zeigt sich auch bei der Insolvenzentwicklung im Bauhauptgewerbe. Lag die Zahl der Insolvenzen um die Jahrtausendwende noch bei 5.000 Insolvenzen fiel deren Zahl kontinuierlich bis 2020/2021 auf ca. 1.000 zurück. Seit 2023 steigt die Zahl der Insolvenzen wieder erkennbar, auf ca.1.600 Insolvenzen in 2024. Bis zum Mai sind die Insolvenzen unterjährig in 2025 um weitere gut 9 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen. Mit den Steigerungen der letzten drei Jahre ist das Bauhauptgewerbe weit entfernt von den drastisch hohen Werten um die Jahrtausendwende. Die Branche ist auch weit davon entfernt, wieder auf solche Werte zuzulaufen. Die Baubedarfe sind in allen Bereichen dieses Mal vorhanden, beim Wohnungsbau genauso wie bei der Infrastruktur. Die Bauunternehmen suchen weiter Fachkräfte. Gleichwohl bleibt es eine betriebswirtschaftliche Herausforderung, angesichts von mehreren Jahren realen Umsatzrückgängen, die Beschäftigung zu halten.

In den einzelnen Sparten zeichnet sich folgende Entwicklung ab:

Wohnungsbau

Die Performance der Baugenehmigungen bleibt im ersten Halbjahr schwach ausgeprägt. Mit von Januar bis Juni genehmigten 109.760 Wohneinheiten (WE) liegt das Plus zum Vorjahr nur bei knapp drei Prozent. Im Juni 2021 und 2022 wurden zum Halbjahr jeweils noch über 185.000 WE genehmigt. Dieses Niveau braucht es auch, um mittelfristig ausreichend preiswerten Wohnraum zu erstellen. Die jüngsten Bedarfs-Prognosen liegen bei ca. 320.000 bis 330.000 WE.

Besonders kritisch muss im Hinblick auf den preiswerten Mietwohnungsbau das Genehmigungsverlangen beim Mehrfamilienhausbau betrachtet werden: Hier stagniert das Niveau der Baugenehmigungen auf dem schwachen Vorjahresniveau bei gut 57.300 WE. Zum Halbjahr 2021 und 2022 waren es jeweils noch über 90.000 genehmigte WE.

Bei den Ordern im Wohnungsbau zeigt sich zwar eine Stabilisierung der Nachfrage, ein nominaler Zuwachs der Order um ca. 12 % ist ein positives Signal, aber leider noch kein Wendepunkt. Denn das Auftragsvolumen liegt real, d.h. unter Herausrechnung der Preisentwicklung, weiterhin mehr als 25 Prozent unter dem Stand von 2022.

Im Wohnungsbau wurden im ersten Halbjahr 2025 knapp 11 Milliarden Euro umgesetzt, nominal entspricht das einem Rückgang um etwa 2 Prozent, real von gut 4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Es gibt derzeit keinen erkennbaren „Wende-Impuls“ im Wohnungsbau. Die Bundesregierung steht weiter in der Verantwortung, ihre richtigen und wichtigen Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag, wie einem Förderprogramm auf dem EH 55- Niveau, umzusetzen.

Wirtschaftsbau

Die Nachfrage nach Wirtschaftsbauten bleibt verhalten. So lag das Neubau-Genehmigungsvolumen für Bauten in Büros, Handels- und Lagergebäude, Fabrikgebäude und Hotel- und Gastronomieobjekte im ersten Halbjahr 2025, bemessen nach Baukosten um 4 % und nach umbautem Raum um 16 % unter dem Vorjahresniveau.

Die Order lagen im Wirtschaftshochbau bis Juni 2025 nominal um ca. + 2,5 % über dem Vergleichsvolumen aus 2024. Unter Herausrechnung einer Preisentwicklung von ca. 2,4 % entspricht das real nur dem schwachen Vorjahresniveau – ein Zeichen der anhaltenden Konjunkturschwäche. Zwar hat die Bundesregierung den Investitionsbooster inzwischen beschlossen, er ist jedoch erst im Juli in Kraft getreten. Zudem bremsen strukturelle Probleme und Wettbewerbsnachteile die deutschen Unternehmen bei ihrer Investitionsbereitschaft weiter aus.

Anders die Lage im Wirtschaftstiefbau. Hier zeigen die Order weiter hohe Dynamik, im ersten Halbjahr 2025 sind sie um nominal ca. 24 % gestiegen. Das „reicht“ auch für ein reales Wachstum von über 20 %. Hintergrund sind umfangreiche Investitionen in die Energieinfrastruktur zum Wärme- und Stromnetzausbau, in die Verkehrsinfrastruktur – sei es beim Schienenausbau oder auch beim ÖPNV, dort gestützt durch Bundesmittel über das Regionalisierungs- und das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Schließlich „fließt“ hier auch der Breitbandausbau ein.

Im Wirtschaftshochbau wurden bis Juni 2025 ca. 11,5 Mrd. Euro ungesetzt, nominal ein Zuwachs um 3 %. Der nachhaltige Drive im Wirtschaftstiefbau spiegelt sich auch bei dessen Umsatzentwicklung wider. Der Wirtschaftstiefbau erreichte ein Umsatzvolumen von ca. 11,7 Mrd. Euro, nominal ein Zuwachs um gut 11 %. Seit dem Vorjahr liegt der Umsatzanteil des Tiefbaus auch im Wirtschaftsbau über dem des Hochbaus. Jahrzehnte lag der Umsatzanteil des Hochbaus im Wirtschaftsbau bei zwei Dritteln. Der Tiefbaubereich wird auch zukünftig die Baukonjunktur stützen. Schließlich fließen ab Ende 2025 dann auch noch Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) hier ein. Im Wirtschaftsbau insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2025 gut 23 Milliarden Euro umgesetzt. Dies entspricht einem nominalen Plus von über 7 %, real einem Wachstum um knapp 5 %.

Öffentlicher Bau

Auch die Nachfrage im öffentlichen Bau zeigt sich ambivalent. So hat die Nachfrage im öffentlichen Hochbau seit Jahresbeginn kräftig angezogen. Das Ordervolumen liegt zur Jahresmitte 2025 bei 4,1 Mrd. Euro. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres gingen Aufträge im Volumen von ca. 3,6 Mrd. Euro ein. Nominal ist hier also ein Zuwachs von gut 12 % zu verzeichnen. Markant sind im Jahresverlauf mehrere an den Markt gekommene Großprojekte. Hier können Krankenhäuser, Universitätsgebäude oder auch Versicherungsgebäude zu Buche schlagen. Auch noch bestehende Förderkontingente für den Schul- und Kita-Bau werden hier stützend gewirkt haben. Die Finanzsituation der Kommunen an sich bietet jedenfalls für einen deutlichen Auftragszuwachs keinen Erklärungsansatz. Die kommunalen Kassen verzeichneten zum Jahresende 2024 einen Negativrekord beim Finanzierungssaldo von fast 25 Mrd. Euro.

Anders die Situation im öffentlichen Tiefbau. Hier stagnieren die Order bei 15,5 Mrd. Euro auf Vorjahresniveau. Auftragsstopps bei der Autobahn GmbH und die schwierige Finanzsituation bei den Kommunen haben die Nachfrage im Straßenbau und sonstigen Tiefbau ausgebremst.

Die Zweiteilung ist auch beim Umsatz ablesbar: Während der öffentliche Hochbau im ersten Halbjahr um ca. 13 Prozent auf 3,7 Mrd. Euro zulegen konnte, waren es im Tiefbau nur + 4 % bei einem Umsatz von ca. 13,4 Mrd. Euro. Dabei stagnierte der Umsatz im Straßenbau auf Vorjahresniveau bei 6,9 Mrd. Euro.

Prognose und IST zur Umsatz- und Beschäftigtenentwicklung 2025

Für 2025 hatte der ZDB im Dezember 2024, nach der Datenlage per September 2024, einen realen Gesamt-Umsatzrückgang um 2 % prognostiziert. Es wäre das fünfte Jahr infolge mit einem realen Umsatzrückgang. Der unterjährige Konjunkturverlauf in 2025 zeigt bisher einen besser als erwarteten Trend der Umsatzentwicklung.

Die Umsatzentwicklung in den Hochbausparten hat nicht im prognostizierten Ausmaß verloren. Gleichzeitig entwickelt sich der Umsatz im Tiefbau noch kräftiger als schon prognostiziert. In den vergangenen Monaten sind sowohl im Hoch- als auch im Tiefbau Großprojekte an den Markt gekommen. Die geschilderte Umsatzentwicklung wird maßgeblich von größeren Projekten und insbesondere vom Ingenieurbau geprägt. Sie spiegelt damit ausdrücklich nur die Situation in den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten wider. Eine Hochrechnung der Umsatzentwicklung auf alle Unternehmen erfolgt erst zum Jahresende.

Ein leichter Beschäftigungsaufbau bei den Betrieben mit 20 und mehr Beschäftigten, wie vom Statistischen Bundesamt gemeldet, erscheint plausibel, da deren Geschäftsfeld vorrangig der Ingenieurbau ist. Dieser wird durch den Projektflow beim Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur nachhaltig gestützt.

Die Totalerhebung für das Bauhauptgewerbe zeigt für die letzten Jahre einen Beschäftigungsrückgang in den Betrieben des Hochbaus und gleichzeitig einen Aufbau der Beschäftigung bei den Unternehmen im Tiefbau. Es zeichnet sich also ein Personal-Switch vom Hochbau zum Tiefbau ab. Dabei war im letzten Jahr (2024) erstmalig seit 2009 ein Beschäftigtenabbau zu registrieren, von ca. 927.800 Beschäftigte auf ca. 916.300 Beschäftigte.

 

Für 2025 erwartet der ZDB einen weiteren Rückgang der Beschäftigung auf ca. 910.000 Beschäftigte. Durchschlagend ist hier die Nachfrageschwäche im Wohnungsbau und im gewerblichen Hochbau.

 

Ihr Ansprechpartner

Markus Geiser

Betriebswirtschaft

Telefon: 069 / 958 09-170
E-Mail: geiser@bgvht.de

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