
Feierliche Preisverleihung im Gießhaus der Universität Kassel
Kassel. Der Förderpreis der nordhessischen Bauwirtschaft wird seit mehr als 30 Jahren vergeben – zunächst unter einer anderen Bezeichnung – und stellt damit den traditionsreichsten Preis für herausragende studentische Abschlussarbeiten an der Universität Kassel dar. Auch in diesem Jahr wurde diese langjährige Tradition fortgeführt. Die feierliche Übergabe der Urkunden sowie des Preisgeldes, das von der Arbeitsgemeinschaft Stufenausbildung (Bau) Kassel (ASK) gestiftet wird, erfolgte am 27.01.2026 im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Gießhaus der Universität Kassel. Ausgezeichnet wurden zwei Studierende des Fachbereichs Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen.
Jonas Umbach erhielt den Förderpreis für seine im Studiengang Umweltingenieurwesen verfasste Bachelorarbeit mit dem Titel „Bilanzierung und Bewertung ausgewählter Minderungsmaßnahmen für die direkten Treibhausgasemissionen aus der Abwasserreinigung der Kläranlage Kassel“. Mareike Schaake wurde für ihre im Studiengang Bauingenieurwesen angefertigte Masterarbeit „Ermüdung von Saumblechanschlüssen im Brückenbau“ geehrt. Beide Preisträger erhielten jeweils ein Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro.
Die Veranstaltung wurde durch den Dekan des Fachbereichs, Professor Dr. David Laner, sowie durch den Geschäftsführer der ASK, Sven Liese, eröffnet. Unter den Anwesenden befanden sich Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Verbänden und der Universität. Den Festvortrag hielt Prof. Dipl.-Ing. Thomas Mrokon, der sich in seinem Beitrag mit dem Thema „Disruption in der Bauwirtschaft – wie verändert Künstliche Intelligenz das zukünftige Bauen“ auseinandersetzte. Im Anschluss baten die beiden ASK-Vorstände Thilko Gerke und Dr. Burkhard Siebert die Preisträger zur offiziellen Ehrung auf das Podium.
In seiner Bachelorarbeit untersucht Jonas Umbach (24) die von Kläranlagen verursachten Treibhausgasemissionen. Auf Grundlage realer Betriebsdaten erstellt er eine detaillierte Klimabilanz für die Kläranlage Kassel. Dabei zeigt sich, dass der überwiegende Anteil der klimaschädlichen Emissionen nicht auf den Stromverbrauch oder den Einsatz von Chemikalien zurückzuführen ist, sondern unmittelbar während des Prozesses der Abwasserreinigung entsteht. Diese Erkenntnisse weisen auf ein erhebliches Optimierungspotenzial innerhalb der biologischen Stickstoffreinigung hin, insbesondere bei der Umwandlung und dem Abbau von Stickstoffverbindungen. Aufbauend auf seinen Ergebnissen entwickelt Jonas Umbach konkrete Maßnahmenvorschläge und priorisiert diese hinsichtlich ihrer Wirksamkeit.
Mareike Schaake (26) widmet sich in ihrer Masterarbeit dem Ermüdungsverhalten von Schweißnähten in Stahlbrücken. Ermüdung beschreibt einen schrittweisen Versagensprozess infolge zyklischer Beanspruchung, der insbesondere durch den Schwerlastverkehr verursacht wird. Sie stellt eine zentrale Herausforderung bei der Bemessung und Konstruktion von Stahlbrücken dar, da sie maßgeblichen Einfluss auf die Sicherheit und die Lebensdauer eines Bauwerks hat. Ziel der Arbeit ist eine verbesserte Prognose der Ermüdungssicherheit geschweißter Saumblechanschlüsse. Zu diesem Zweck entwickelt Mareike Schaake ein numerisches Berechnungsmodell und vergleicht dessen Ergebnisse mit den derzeit bundesbehördlich vorgegebenen vereinfachten Bemessungsregeln. Der Vergleich zeigt, dass die bestehenden Regelwerke die tatsächliche Lebensdauer um etwa den Faktor drei unterschätzen. Die von ihr entwickelte Methode ermöglicht hingegen eine deutlich verlässlichere Lebensdauerprognose bei gleichzeitig reduziertem Materialeinsatz.
Nach Einschätzung der Jury überzeugen die Arbeiten beider Preisträger in besonderem Maße durch ihre fachliche Qualität und ihren hohen praktischen Nutzen. Wie Thilko Gerke betonte, verbinden sie wissenschaftliche Tiefe mit einem klaren Anwendungsbezug. Zudem verdeutlichen sie exemplarisch, wie am Fachbereich Bauingenieur- und Umweltingenieurwesen konkrete Beiträge zur Ressourcenschonung im Bauwesen und zur Erreichung zentraler Nachhaltigkeitsziele geleistet werden.

Die ASK-Vorstände Thilko Gerke und Dr. Burkhard Siebert, Preisträgerin Mareike Schaake, Preisträger Jonas Umbach, Professor Dr. David Laner sowie ASK-Geschäftsführer Sven Liese (von links). Foto: Krümler
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